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Humbled II
Feb 5th
Posted by Andreas Matthies in Ausland
(Fortsetzung)
22.01.2010: Poo-Day
Wieder klingelte der Wecker um 06.00 Uhr. Nach dem Fruehstueck (“huevos revueltos”) bestiegen wir gegen 07.00 Uhr den Bus in Richtung El Calafate. Auf der Fahrt bestaunten wir das beeindruckende Bergpanorama, welches wir gerne schon auf der Routa 40 gesehen haetten. Auf der Suche nach unserem Hostel lernten wir El Calafate ein wenig kennen und waren froh, nach den Tagen im Doerfchen El Chalten wieder ein wenig mehr Menschen um uns herum zu haben. Keith ergatterte das letzte noch freie Busticket zum Perito Moreno, so dass Geogri, Karin und ich beschlossen stattdessen am folgenden Tag die Bootstour “Todos Glaciares” zu machen und den freien Nachmittag am “Largo Flamenco” (oder so) zu verbringen. Zuvor verspeisten wir allerdings in einer wundervollen Conditorei einige Alfajores (Biscuit + viel Schokolade + noch mehr “Dulce de Leche”), welche wir auf unserer Reise nach Patagonien kennen und lieben gelernt hatten. Mitten im Baustellengebiet war dann tatsaechlich ein kleiner See mit einigen Flamingos zu sehen.
Waehrend wir am See entlangschlenderten, hoerten wir auf einmal hinter uns eine aufgeregte Frau im Vorruhestandsalter auf Deutsch-Spanisch rufen “Esta pero es a tu?”. Dabei wedelte sie etwas seltsam mit den Armen und zeigte auf einen schmutzigen Hund der gerade einen halbverrottenten (Schafs?)Kadaver beschnupperte. Etwas verwundert erwiderten wir, dass der Strassenhund nicht uns gehoeren wuerde. Das brachte sie vollends in Rage, den sie hatte das exakte Gegenteil verstanden. Inzwischen hatte sie ins Denglische gewechselt und rief “All dogs schould be shottt!”, ein Zaun gebaut werden (“Where are you frrom?… In the Netherlands you have fences and in Australia as well…” ?!) und ausserdem waere sie heute schon bei der Polizei gewesen, weil ein Hund einen Flamingo angefallen haette. Die Gesichter der Polizisten haette ich gerne gesehen.
Weil uns das alles nicht wirklich begeistern konnte, beschlossen wir zum “Playa” quer durch Flamingoland zu gehen. Beim matschigen Untergrund fragten wir uns “Is it mud or poo?”. Wir hofften auf Ersteres und stellten spaeter fest, dass es Letzteres war… Mit matschigen Fuessen verliessen wir den nicht exisitierenden Strand, kauften ein paar Snacks fuer den naechsten Tag und liessen unsere Fotos auf DVD sichern. Dabei folgten die Blicke der anderen Passanten bestaendig unseren Fuessen. Spaeter assen Keith, Karin und ich noch gemeinsam zu Abend (Patagonisches Lamm!! Super lecker! Ausserdem hing im Restaurant Werbung fuer “Koelsch” als Biersorte.. gibts doch gar nicht!) bis uns schliesslich gegen 01.00 Uhr die Augen zufielen.
23.01.2010: Mein Leben ist ein Film
Inzwischen hatte ich mich an den nervigen Laerm um 06.00 Uhr gewoehnt. Im Halbschlaf verabschiedete ich mich von Keith, der seine Reise gen Norden fortsetzte, und fruehstueckte bei den Maedels im Hostel, bevor es mit dem Bus Richtung Hafen ging. Auf der Fahrt sah ich den ersten Eisberg meines Lebens und war schwer beeindruckt. An Bord des luxerioesen Touribootes fiel mir zunaechst die vorzueglichen Toilette auf, welche mit Abstand die Beste auf meiner gesamten Reise durch Argentinien war. Am Gletscher Upsala (vom Weltall aus gesehen, bekommt man eine ungefaehre Vorstellung von den riesigen Ausmassen) angelangt sahen wir ein Meer aus Eisbergen. Durch die Absorption blauen und die Reflektion des restlichen Lichts schimmert das Eis geheimnisvoll blau (wenn ich das auf Spanisch soweit richtig verstanden habe). Die Stille wurde nur vom nervigen Ausloeser-Sound der 150 in die Luft gehaltenen Kameras gestoert, die gemeinsam den “Ausloeser-Song” spielten. Warum Digitalkameras ueberhaupt Laerm machen, ist mir bis heute ein Raetsel. Alle Sounds meiner elektronischen Geraete sind auf das absolute Minimum reduziert oder abgestellt.
200 Fotos spaeter ging es weiter zum Viedma Gletscher. Hier versperrten keine Eisberge die Sicht auf den Gletscher selbst, sodass wir hautnah zahlreiche tosende Eisabbrueche miterleben konnten. Unbeschreiblich ist das Gefuehl vor einer 80 Meter hohen Eiswand zu schippern und dem Eis beim Fallen zuzusehen. Weitere 100 Fotos spaeter ging es zum letzten Gletscher auf unserer Bootstour, dem Perito Moreno. Obwohl der Beruehmteste unter den Gletschern im “Parque Nacional Los Glaciares” war unser Vorrat an Begeisterungsfaehigkeit bereits aufgebraucht.
Wieder zurueck in El Calafate trafen wir in einer Baeckerei (schon wieder
) die beiden deutschen Maedels, die ich am Cerro Torre kennengelernt hatte. Gleich zwei interessante Menschen waren inzwischen in mein Zimmer im Hostel eingezogen, nachdem Keith am Morgen El Calafate verlassen hatte. Der Eine war ein Fotograf aus Buenos Aires, der gerade vom Cerro Torre mit Autounfall zurueckgekehrt war, der Andere war Japaner auf Weltreise. Mit Letzterem unterhielt ich mich noch etwas laenger, nachdem ich die Reisevorbereitungen (letzte Rasur fuer 6 Tage) fuer den Trip zum Torres del Paine abgeschlossen hatte.
24.01.2010: Dance the North Face Dance!
Nach dem Fruehstueck (2 Stuecke Pizza vom Vorabend) wurde ich von Karin abgeholt. Zu Moby (Why does my heart feel so bad?) und Roger Cicero (Schoen, dass du da bist) genossen wir die Natur auf der Fahrt Richtung Puerto Natales. An der Grenze holten wir uns jeweils einen Argentinischen Ausreise- und einen Chilenischen Einreisestempel und zeigten den chilenischen Grenzern unser Gepaeck. Auf unserem Weg Richtung Hostel stellten wir fest, dass Puerto Natales ein wenig aermer war als die Orte, die wir bisher in Argentninien gesehen hatten. Das Hostel (“Erratic Rock – Tell your friends, don’t tell the guidebooks!”) selbst war zwar ausgebucht, trotzdem wurden wir zur Infosession eingeladen, die gerade ein Raum weiter begonnen hatte. Der charismatische Amerikaner sollte uns mit seinen kompakten Informationen auf unserer anschliessenden fuenftaegigen Treckingtour vor dem sicheren Tot retten. Einige pregnate Saetze schwirrten mir je nach Wetterlage in den folgenden Tagen immer wieder durch den Kopf. Hier ein kleiner Auszug:
If it starts raining, don’t start to dance the North Face Dance. It may stop 5 min later. Or not.
If you get cold – walk faster!
Get used to the idea of wet feet! The following 5 days your feet will be wet 24/7.
Forget Goretex! Use plastic bags, plastic bags, plastic bags!
[...] Stink uniform [...]
Mit dieser Vorbereitung besorgten wir Bargeld, Ausruestung (Zelt, Schlafsack, Schlafmatte, Kocher, Kochgeschirr etc.) und Verpflegung (u.a. Porridge, Fertigpasta, Muesliriegel, Cracker und !!Schokolade!!). Besonders hervorzuheben waere an dieser Stelle die grosse Auswahl an getrockneten Fruechten, die es in Puerto Natales gibt. Der Spass kostet zwar ein kleines Vermoegen, versuesst jedoch den allmorgendlich frisch zubereiteten Porridge und somit den Start in den perfekten Tag. Karin zauberte eine wundervolle Bohnen-Stew und die Flasche Malbec war schnell geleert. Waehrend im Wohnzimmer* “The Bourne Identity” lief, versuchte ich irgendwie alle Sachen in meinem Backpack zu verstauen.
25.01.2010: Tag 1
Nach einem fuer suedamerikanische Verhaeltnisse ziemlich reichhaltigen Fruehstueck wurden wir vom Bus abgeholt. Auf einer wunderschoenen Fahrt durch einen Teil des Nationalparks Torres del Paine kamen wir aus dem Staunen kaum heraus. Das Besondere am Park neben den atemberaubenden Bergen – den Torres – ist die reichhaltige Flora und Fauna, die bedingt durch zahlreiche Mikroklimata sich von Meter zu Meter bestaendig aendert. Fast noch besser war die anschliessende Fahrt mit dem Katerman ueber den See mit Kakao fuer lau. Obwohl die Sonne sich immer wieder hinter den Wolken versteckte, leuchteten die dunkelgruenen Huegel mit dem azurblauen See um die Wette. Am ersten Refugio machten wir eine kleine Mittagspause und warfen ein Blick auf den Wetterbericht (fuenf Tage Regen) bevor wir Richtung Gletscher Grey aufbrachen. Unterwegs trafen wir auf eine Familie aus New York (coole Kids, coole Eltern!). Neben Fussball (“We are going to win the world cup!”) begeisterte sich der Vater auch fuer Biersorten aus aller Welt.
Der Trail fuehrte uns mehrmals hoch und runter und nachdem wir zwei reissende Baeche ueberquert hatten (der Regen am gleichen Tag hatte die Baeche um ein Vielfaches anschwellen lassen) erreichten wir schliesslich nassen Fusses einen sehr schoen gelegenen Zeltplatz direkt oberhalb eines Aussichtspunkts auf den Gletscher Grey. Mit uns auf dem Zeltplatz uebernachteten unter anderem Steffi aus Deutschland, die gerade mit einem Chilenen durch Chile reiste, ein britisches Paerchen, Paul, David & “Cadburry” aus London, sowie ein Italiener (gap year, Head of Marketing Prada im Harrod’s in London, auf Weltreise), der mit einer Gruppe Israelis (einer von ihnen: wedding planer) unterwegs war.
26.01.2010: Tag 2
Der Wecker klingelte um 08.00. Um halb 10 verliessen wir das Zelt und zelbrierten das allmorgendlich Morgenritual waehrend unseres Trips: Porridge mit getrockneten Fruechten. Nachdem das Zelt abgebaut war, genossen wir noch ein wenig die Aussicht auf den Grey. Am vormals reissenden Bach, der nun nur ein kleines Rinnsal war, begegneten wir wieder dem Vater der amerikanischen Kids. Da es windiger als am Vortag war, wunderten sich entgegenkommende Hiker ueber meine “Stink Uniform”, bestehend aus einer langen Hose und einem T-Shirt. In dieser “Uniform” sollte ich waehrend des gesamten Trips unterwegs sein – bei Sonne, bei Regen und auch bei Schnee (“… walk faster!”).
Waehrend wir die atemberaubende Aussicht genossen, wechselten die Gespraechsthemen zwischen Allgemeinschauplaetzen und (sehr) Persoenlichem hin und her. Das Campo Italiano war vollkommen uerberfuellt, aber Karins Charme verschaffte uns schliesslich doch noch einen Platz, wo wir unser Zelt aufschlagen konnten. Nachdem die Lachsravioli in Tomatensauce verspeist waren, erzaehlten uns die drei englischen Kumpels bei einer Tasse Tee aus Karins legendaerem “Teabag”, dass sie gerade ihr Jurastudium abgeschlossen hatten und im kommenden Monat anfangen wuerden zu arbeiten.
27.01.2010: Tag 3
Am naechsten Morgen war alle Sachen nass und schmutzig. Na toll. Nach dem Fruehstueck (Porridge!) stieg die Laune aber wieder und so liessen wir unseren Backpack am Zeltplatz und machten uns auf, “Valle del Francés” zu erkunden. Auf dem “W”, wie sich unsere Hiking-Route nannte, gehoert dies sicherlich zu den Highlights. Der Aufstieg war sehr regnerisch und nebelig, sodass die alten Baeume noch ein wenig maerchenhafter erschienen. Entlang eines reissenden Flusses – man wundert sich, wo auf dieser Hoehe all das Wasser herkommt – ging es weiter bergauf Richtung Aussichtspunkt. Dort angelangt konnten wir unser Glueck kaum fassen, denn auf einmal wechselte das Wetter auf sonnig. Umgeben von Gletschern (mindestens im Umkreis von 270º) genossen wir die atemberaubend schoene aber unbeschreibliche Aussicht. Mit Blick auf die “Posterboys” genossen wir den Abstieg Richtung Campo Italiano umso mehr und machten zahlreiche Fotos von Flora und Fauna, die in diesem Gebiet abermals gewechselt hatte. Inzwischen war uns aufgegangen, dass wir definitiv zu viele Cracker mit uns herumschleppten, sodass wir bei jeder der nun zahlreichen – weil sonnigen – Pausen bergaufkommende Trecker mit Crackern motivierten, weiterzumachen.
Inzwischen wieder mit aufgeschnalltem Backpack gingen wir Richtung Refugio Pehoe und genossen die beeindruckenden Lichtspiele am Strand des Sees. Ein Paerchen nahm ein Bad, was uns bei 10ºC Lufttemperatur dann doch ein wenig uebertrieben vorkam. Der Zeltplatz am Refugio begruesste uns mit Regen und war eher bescheiden. Umso besser: eine warme Dusche (sehen wir mal ueber den mickrigen Rinnsal warmen Wassers hinweg)!! Da es heisses Wasser umsonst gab, packten wir unsere asiatische Nudelsuppe mit Shrimpsgeschmack aus (wer kennt sie nicht). Am gleichen Tisch sassen drei Lehrerinnen jeweils aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz. Letztere (Basketball, Schwimmen) amuesierte sich im Gespraech ueber lebensunfaehige Studenten, die sie bei Sportkursen an der ETH Zuerich unterrichtet hatte.
Nach einer Runde Tee aus erwaehntem legendaeren Teabag verliessen wir das warme Refugio Richtung Zelt. Inzwischen war der Regen staerker geworden, wurde jedoch von der stuermischen Nacht bei Weitem in den Schatten gestellt. Saemtliche im Zelt aufgehangene Vorraete (Maeuse!) verteilte sich gleichmaessig im Zelt, waehrend das gesamte Zelt gefaehrlich tief gen Boden gedrueckt wurde.
28.01.2010: Tag 4
Im komplett verwuesteten Vorzelt hatte es meine “Stink Uniform” schwer getroffen, so dass einem beim Anziehen eher schlechte Laune ueberkam. Bevor es losging, gab es allerdings erst einmal Porridge im Refugio. Einige Kilometer spaeter stieg nicht nur die Koerpertemperatur, sondern auch die Laune. Abermals hatten sich Flora und Fauna geaendert und waren nun karger als im “Valle del Francés” am Vortag. Hoch ueber den See begeisterte ich mich wieder fuer die Farbspiele des Sees und der Huegel am anderen Ufer, die weiterhin wunderschoen jedoch anders als noch an den Tagen zuvor schimmerten. Nachdem wir die letzte Tafel Schokolade verspeist hatten, trafen wir unter den zahlreichen Tagestouristen, die gen Tal gingen, nun zum dritten Mal … Birthe und Patrizia aus Deutschland (s.o.).
Wir passierten mehrere malerische Bruecken (!) ueber einen steilen Fluss (langsam gehen mir die Adjektive aus…) und erreichten schliesslich den etwas matschigen, aber sehr schoen angelegten Zeltplatz Campo Torres (oder so). Inzwischen war es ziemlich kalt geworden, sodass das Hexenhaus des Parkrangers gut in die Szenerie passte. Nach Pesto Pasta und einer klumpigen Champion Creme Suppe bildeten wir gemeinsam mit den Briten, die wir wie an jedem Abend am Zeltplatz wieder trafen, den “Circle of Warmth”. Wenig spaeter verabschiedete ich mich Richtung Zelt, nicht ohne vorher meine Thermosflasche mit heissem Wasser aufgefuellt zu haben, um so meinen Schlafsack ein wenig anzuwaermen. Karin (“I join you in a minute”) brauchte ein wenig laenger und kam schliesslich um 02.00 Uhr ins Zelt getorkelt (im Haus des Rangers gab es Wein), um mir den Wecker fuer den naechsten Morgen zu stellen. Sie hatte Glueck und konnte in einem der (warmen) Gasetebetten des Rangers ihren Rausch ausschlafen.
29.01.2010: Tag 5
Vollkommen durchgefroren freute ich mich ueber den sonst so nervigen Laerm des Weckers und legte die fuenf Schichten Kleidung ab. Es war 04.00 Uhr und stockfinster. Mit der Taschenlampe im Anschlag versuchte ich mich anzuziehen. Nach einigen Minuten gaben die Batterien den Geist auf. Vor dem Zelt erblickte ich vier umherschweifende Lichtkegel. Hey, ich war nicht der Einzige, der den Sonnenaufgang im Schatten der Torres erleben wollte. Schnell hinterhergestolpert! Die Israelis in der Gruppe wunderten sich ueber den langsam fallenden Regen, bis sie feststellten, dass es schneite. Noch nie zuvor hatten sie Schnee fallen sehen. Etwa 50 Hoehenmeter ueber dem Zeltplatz blieb der Schnee liegen, sodass es immer schwieriger wurde, den Trail zu erkennen. Nachdem wir so 45 Minuten den Berg hochgestolpert waren, erreichten wir schliesslich “el fin del curso”. Wir drehten uns um und tatsaechlich: Waehrend um uns herum weiterhin Dunkelheit herrschte ging langsam am Horizont die Sonne auf. Die Uhr zeigte 05.30 Uhr. In diesem Moment befand sich nur unsere Fuenfergruppe auf dem Gipfel.
Jetzt begann der schoene Teil. Dank Infosession hatte ich zum Gipfel mitgebracht: einen Schlafsack, einen Kocher, Porridge und Wasser. Waehrend wir hofften, dass sich der Nebel an den Torres, den “Posterboys”, verzieht, kochte ich dick in den Schlafsack eingepackt mein Hafersueppchen und erntete dafuer neidvolle Blicke vom Rest der Gruppe. Je heller es wurde, desto mehr Leute gesellten sich zu uns … und froren. Als einer der Letzten ging ich zurueck zum Zeltplatz und fruehstueckte ein weiteres Mal gemeinsam mit Karin bevor wir uns wiederum zum Gipfel aufmachten, da Karin am Morgen nicht dabei gewesen war. Aber auch dieses Mal hatten wir wenig Glueck. Die Posterboys waren weiterhin in Nebel eingehuellt. Trotzdem genossen wir die Aussicht. Den Weg ins Tal bestritten wir mit dem Bewusstsein, dass fuenf aufregende Tage nun zu Ende gingen und sich unsere Wege schon sehr bald trennen wuerden. Am Hotel hiess es aber zunaechst einmal: Raus aus den Schuhen, rein ins Museum (ueber Patagonien). Im kleinen aber feinen Museum vergassen wir ein wenig die Zeit, so dass wir fast den Bus verpassten.
Zurueck in Puerto Natales besorgten wir uns Bustickets fuer den naechsten Morgen nach El Calafate, gaben die ziemlich schmutzige, geliehene Ausruestung zurueck und suchten uns ein neues Hostel. Nach ein wenig Herumgelaufe (und seltsamen Begegnungen mit Chilenischen Omas an Hosteltueren) hatten wir schliesslich eine Bleibe (“Los Inmigrantes”) gefunden. Dieses Mal vermietete eine alte, gehbehinderte Dame ihre Schlafzimmer und uebernachtete selbst im Wohnzimmer. Selten zuvor habe ich eine heisse Dusche so sehr genossen wie an diesem Ort. In einer guten Pizzaria trafen wir uns mit den Briten und zogen anschliessend in eine Bar weiter, um ein paar Pisco Sour zu trinken.
30.01.2010: Time To Say Goodbye!
Zum Fruehstueck gab es auf der Gasheizung getoastete Broetchen, sowie ein (pseudo-) intellektuelles Paerchen. Bevor wir den Bus gen El Calafate bestiegen fuellten wir unsere Wasserflaschen auf, was sich spaeter als Fehler herausstellen sollte. Routiniert passierten wir die beiden Grenzkontrollen und nickten zu Bob Marley ein. Wieder wach wechselte der MP3-Player, so dass ich Gelegenheit hatte, Karin mit deutschem Rap vertraut zu machen (Dendemann – Sensationell). Zu den Klaengen von Bill Withers (Ain’t No Sunshine When She’s Gone, Lean On Me) passierten wir die Stadtgrenze von El Calafate. Im Kino waere jetzt der Moment gewesen Taschentuecher auszupacken. Als kleines Andenken ueberreichte ich Karin eine CD von Bombay Bicycle Club und… weg war sie.
Ich organisierte einen Bus zum Flughafen und war auf der Fahrt noch voll in Gedanken. Nach einer Stunde Fahrt (wir sammelten die Leute einzeln ein) und einer Stunde in der Warteschlange hiess es: alle Fluege heute und morgen ueberbucht. Das gibts doch nicht! Zurueck im Bus nach El Calafate verteilte ich desillusioiniert Cracker und kam so u.a. ins Gespraech mit einem aelteren Hollaender, der sich gerade auf dem Weg zu einem 21taegigem Segeltoern durch die Antarktis befand (wie cool ist das denn?!). Im Reisebuero bekam ich nicht nur den letzten Platz im Flugzeug am naechsten Abend, sondern auch einen Restaurant-Geheimtipp. Im Hostel traf ich auf vier Argentinier aus Buenos Aires mit denen ich spaeter das empfohlene Restaurant austestete. Voellig ueberfressen aber gluecklich ging ich schlafen.
*Es handelt sich hierbei tatsaechlich um das Wohnzimmer, welches dem Besitzer des Hostels zugleich als Schlafzimmer dient.
Humbled.
Feb 1st
Posted by Andreas Matthies in Ausland
Wie die Zeit verfliegt! Vor einigen Tagen noch habe ich meinen letzten Beitrag aus Buenos Aires abgesetzt. Heute warte ich wieder zurueck am gleichen Ort auf meinen Nachtbus, der mich Richtung Salta bringen wird und versuche die Reisestationen und Erlebnisse in Bariloche und El Bolson, auf der Routa 40, in und um El Chalten, in El Calafate, im Parque Los Glacieres, in Puerto Natales, am Torres del Paine und wieder zurueck in El Calafate zu rekapitulieren. Popcorn ausgepackt – es geht los!
13.01.2010: Ein Busfahrt die ist lustig.
Beim letzten Fruehstueck in Buenos Aires lernte ich zwei Spanierinnen kennen, die am gleichen Tag Richtung Sueden reisen wollten. Geschickterweise notierte ich mir ihre E-Mailadresse – nicht aber die Handynummer, um sie vor Ort anzurufen. Doof. Schnell noch tauschte ich den am Vortag erworbenen jedoch nutzlosen Kartenleser, sowie die zu grosse Badehose um (es hat funktioniert!) und fuehrte im Taxi Richtung Bahnhof meine erste etwas ausgedehntere Konversation auf Spanisch (ueber Gott und die Welt). Ein wenig stolz traf ich schliesslich auf Keith, den Amerikaner mit dem ich in den folgenden Tagen Richtung Sueden reisen wuerde. Nachdem wir die Buskarten (“Coche Cama” – die Wichtigkeit dieser zwei Worte sollte mir erst spaeter bewusst werden) warteten wir an den Bussteigen 37 bis 51 auf die Ankunft unseres Busses (das hoert sich recht einfach an – ist es aber nicht).
Im Bus wurden uns zu schlechtem 70er Jahre Rock (aus Porno geklaut?) die Marken der auf der Reise verwendeten Produkte angepriesen. Um so besser schmeckte der wirklich gute Tee, der anschliessend an den sehr bequemen Komfort-Sessel gebracht wurde. Vom Feeling her ein ziemlich gutes Gefuehl. In den Filmpausen hatte ich Gelegenheit weitere Fortschritte in Alexander Humboldts Die Reise nach Südamerikazu machen. Am Fenster zog dabei das platte, saftig gruene Land vorbei, welches passenderweise Pampas heisst. Aus dem sehr stark von globalen Duengemittelproduzierende Unternehmen dominierten Gebiet kommen ein Grossteil der landwirtschaftlichen Erzeugnisse Argentiniens.
14.01.2010: Szenenwechsel
Kaum hatte ich die Augen am naechsten Morgen geoeffnet, stellte ich fest, dass sich die Landschaft komplett geaendert hatte. Die saftig gruenen Wiesen und Baeume waren einer huegligen und unwirtlichen, jedoch nicht weniger beeindruckenden Steppenlandschaft gewichen. Um so unwirklicher tauchte am Horizont die Stadt Bariloche an einem traumhaft schoenen See mit “Alpenpanorama” (= schneebedeckte Gipfel) auf. An das Gewicht des Backpacks hatte ich mich noch nicht wirklich gewoehnt und so war der Marsch zum Zentrum nach der Ankunft recht stramm. Der warme Empfang im Hostel 1004 liess dann aber alles wieder in einem positiveren Licht erscheinen.
Das Hostel selbst hat an dieser Stelle ein paar extra Worte verdient. Mitten im Zentrum der ziemlich touristischen Stadt Bariloche gelegen, ist es im obersten (dem zehnten) Stockwerk des hoechsten Gebaudes der Stadt untergebracht. Betritt man das Hostel, faellt einem neben der freundlichen Dame an der Rezeption der sehr entspannte Musikmix auf (Gothan Project – love it!!). Erwaehnte junggebliebene Dame laedt einen dann auch zugleich ein, die Aussicht von der Dachterasse zu geniessen – und die hat es in sich. Wer schon mal mit einem phenomenalen Blick auf einen azurblauen See mit schneebedeckten Gipfeln im Hintergrund aufgewacht ist – so wie ich am naechsten Morgen – hat eine ungefaehre Vorstellung, wie sich eine Uebernachtung in diesem Hostel anfuehlt.
Der Tag war noch jung und so beschlossen Keith und ich mit dem Bus zur Talstation am Cerro Otto zu fahren. Da Keith sowohl die Gondel als auch normale Wege verabscheute (“off the beaten track…”) machten wir uns quer durchs Gebuesch auf zum Gipfel. Das Entdeckerfeeling wurde nur durch mein rotes T-Shirt getruebt, welches Bienen wie ein Magnet anzog. Wenn wir uns nicht gerade auf Tierpfaden an dornigen Bueschen vorbeizwaengten, genossen wir die wunderschoene Aussicht (Photos folgen). Am Gipfel kamen wir uns (ich zumindest) vor wie Rockstars und wurden dann auch standesgemaess von zwei Strassenhunden begleitet. Wie sich spaeter herausstellen sollte, gehoeren Strassenhunde im Sueden Argentiniens zum ganz normalen Strassenbild. Manche Hunde sind wirklich schoen, andere humpeln aber auch nur auf drei Beinen.
Nach einem 7km langen Marsch ueber einen Huegelkamm zurueck nach Barlioche kauften wir ein paar Zutaten fuer das Abendessen ein. Wie zu Hause, bei Oma, oder in meiner WG in Koelle genoss ich auch hier den Luxus bekocht zu werden
. Zum Essen (=Stew) gab es einen leckeren Malbec aus Patagonien. Zurueck im Zimmer trafen wir auf… die Spanierinnen vom Fruehstueck in Buenos Aires! Unglaublich! Ausserdem uebernachtete im Zimmer eine Schweizerin aus Fribourg, die ich eventuell naechste Woche in Trajia, Bolivien, besuchen werde. Da sie besser Spanisch als Englisch sprach, war unsere Unterhaltung mehr auf Esperanto als verstaendlich.
15.01.2010: Ruhe vor dem Sturm
Nach dem Fruehstueck auf der Dachterasse unseres Hostels besorgten wir uns ein Busticket nach El Bolson und fuhren anschliessend zum Naturreservat am Llao Llao, einem beruehmten Hotel hier in Argentinien. Durch einen wunderschoenen Wald mit vielen alten Baeumen und viel Bambus wanderten wir zum Playa Morena. Hier wurde ich Zeuge eines zauberhaften Moments. Ein aelteres Paerchen genoss still die Aussicht, als eine Gruppe von etwa acht Jugendlichen auftauchte. Ein deutsches Paerchen waere jetzt genervt vom Laerm der leidenschaftlichen Unterhaltungen gewesen und haette versucht, die Gruppe so gut es geht zu ignorieren. In Argentinien gehoehrt irgendwie jeder zur Familie und so verabschiedeten sich die Jungs nach zehn Minuten netten Small-Talks wieder mit Kuesschen auf die Wange von dem alten Ehepaar.
Im Bus ging es dann weiter zur Colonia Suiza, den letzten Teil des Weges (etwa 3km) ueber einen staubigen, sehr heissen Pfad. Dort angekommen stellten wir fest, dass die Zeit schon weit vorangeschritten war, sodass wir uns schnell auf den Rueckweg machten. Zurueck in Bariloche probierten wir ein wenig von der beruehmten Chocolate Artesanal (ziemlich suess) bevor wir schliesslich den Bus nach El Bolson bestiegen. Die sehr schoene, huegelige Waldlandschaft mit malerischen Seen auf der Fahrt sollten wir spaeter noch vermissen. Getruebt wurde das Naturerlebnis nur von der Kleinfamilie in der Reihe hinter mir, die zur Unterhaltung des ruelpsenden Babys die Handyklingeltoene auf voller Lautstaerke in alphabethischer Reihenfolge ausprobierte.
Kaum in der quireligen Kleinstadt El Bolson angekommen stellten wir fest, dass so ziemlich alle Hostels ausgebucht waren. Das bedeutete: Laufen! Einige staubige Strassen und eine aufregende Fussgaengerhaengebruecke spaeter erreichten wir einen Campingplatz, der auch einige Betten bereithielt. Waehrend Keith es vorzog, seinen Schlafplatz unter dem klaren Sternenhimmel mit Aussicht auf die Milchstrasse herzurichten, belegte ich eins der recht gemuetlichen Betten. Wieder zurueck im Zentrum hatten wir endlich Gelegenheit zu Abend zu essen und anschliessend einem ziemlich schraegen Jazz-Livekonzert in einem alten Zirkuszelt zu lauschen. Sehr cool!
16.01.2010: Fuellend
Ausschlafen, auschecken (ueberflutete Toilette) und ab in die Innenstadt. Der naechste Bus ueber die “sehenswerte” Routa 40 sollte erst am folgenden Tag (Sonntag) fahren, und so mussten wir als Erstes wieder eine Uebernachtungsmoeglichkeit finden. Das bedeutete wieder laufen, laufen, laufen. Ein wenig spaeter so um die Mittagszeit konnten wir uns endlich entspannt zuruecklehnen und.. fruehstuecken – denn gegessen hatten wir bisher noch nichts. Auf dem sehr coolen Markt war leider nur angucken nicht kaufen angesagt, denn irgendwer muss den Schmoerres spaeter auch tragen. Am Nachmittag machte ich mir im Garten hinter dem Hostel auf irgendeinem Autoteil sitzend erste Gedanken fuer ein Motivationsschreiben fuer ein Stipendium. Irgendwie unwirklich in dieser Umgebung.
Zum Abendessen gab es “another stew”, sowie Gitarrenklaenge und Gesang von drei Argentiniern (2x Cordoba, 1x Buenos Aires). Waehrend die Musik so den Raum fuellte, musste ich spontan an die alte (biblische?) Geschichte mit dem sterbendem Vater und seinen drei Soehnen denken (Beispiel: letzter Abschnitt). Auch Keith schnappte sich die Gitarre und gab einen zum Besten. Anschliessend haben wir beim Bierchen in einer recht coolen Bar ein paar weitere befreundete Argentinier kennengelernt.
17.01.2010: Moby Day
Das schoene am Backpacken ist zweifelsohne das hohe Mass an Flexibilitaet und so beschlossen wir, nachdem wir gegen 10 mit einem “¿Una noche màs?” geweckt wurden, den Tag fuer eine Runde Rafting im Gebirgsbach zu nutzen. YEAHH! Mit dem Taxi ging es ueber staubige, kurvige Huegelwege mitten hinein in die wunderschoene, wilde Natur. Mit einer gemischten, sehr spassigen Gruppe ging es schliesslich auf den Fluss. Waehrend wir die ersten Stromschnellen nahmen, wurden Erinnerungen an das (etwas ruhigere) obere Lahntal rund um Weilburg wach. Rechts und links dichter Wald, vor uns schneebedeckte Berge – wunderschoen! Waehrend einer kleinen Pause hatten wir Gelegenheit im 8ºC kalten, jedoch sehr klaren Wasser mit dem Schnorchel Fische zu beobachten oder im Kayak gegen die Stroemung zu kaempfen (Fotos folgen irgendwann). Am “Landeplatz” wurden wir mit ein paar Snacks, sowie entspannten Klaengen von Moby begruesst und genossen die Aussicht, das Ambiente und die waermenden Sonnenstrahlen der Nachmittagssonne.
Zurueck in El Bolson lauschten wir auf dem quiriligen Markt im Park einigen recht guten Liveperformances. Fuer die anschliessende neunundzwanzigstuendige Busfahrt (“Semi Cama” = sehr unbequem) besorgten wir in einem kleinen Laden ofenfrische Empenadas. Wenige Minuten spaeter, bevor wir den Bus bestiegen hatten, waren alle Empenadas aufgegessen.
18.01.2010: Zuckersuess
Den wunderschoenen Sonnenaufgang begruessten die meisten Mitreisenden im Bus mit einem lauten Schnarchen und bereuten bei einem Zwischenstop in the middle of nowwhere ueberhaupt aufgewacht zu sein. Die letzten verfuegbaren Plaetze im Bus waren leider direkt neben der Bustoilette gewesen, was wir im naechsten Moment bereuten, als ein Mitreisender eine Stinkbombe eben an dieser Stelle platzierte. Danke auch. Mit zugehaltener Nase verliesen wir in Puerto Morito den Bus und wunderten uns waehrend einer vierstuendigen Pause, warum Menschen mitten in der Einoede siedeln. Inzwischen hatte sich die Umgebung naemlich wieder gewandelt und die huegelige Waldlandschaft war wieder (noch) trockener Steppe gewichen. Das Braun-Grau der Landschaft sollte uns von nun an fuer einige Tage begleiten. Wieder im Bus spielte mein MP3-Player dann auch passenderweise “Dat Wasser vun Koelle” waehrend ich die Marslandschaft um mich herum bestaunte. Falls die Erde in etwa so nach einem Atomkrieg aussehen sollte, bin ich fuer die sofortige Abschaffung aller Atomwaffen! Nach einer weiteren Pause mit einem wunderschoenen Sonnenuntergang verteilte einer der Busfahrer frische Kirschen.
Die Strassen waren inzwischen immer holpriger geworden – auf der Via Appia reiste es sich in der Kutsche zu Zeiten Caesars mit Sicherheit komfortabler – und so lernten wir nicht nur unsere Mitreisenden besser kennen, sondern genossen auch mitgebrachte Schweinereien. Die sehr leckere und sehr suesse Patisserie ist in Patagonien allgegenwaertig und wahrscheinlich fuer den 99%igen Verbrauch der weltweiten “Dulce de Leche (=Karamel)”-Produktion verantwortlich.
19.01.2010: Bellevue
In der Morgendaemmerung tauchten (endlich) wieder Berge aus dem Dunst auf, waehrend Michael Jackson den Earth Song zum Besten gab. In der ziemlich windigen “Nationalen Hauptstadt des Treckings” (=El Chalten) angekommen, fanden wir schnell unser Hostel und fruehstueckten eine Kleinigkeit bevor wir zur ersten ausgedehnten Wanderung auf dem “Sendero al Fitz Roy” aufbrachen. Die Aussichten bekamen durch aufkommenden Nebel ein ganz besonderes Flair. Der Fitz Roy selbst versteckte sich leider im Nebel, trotzdem waren wir vom sichtbaren Teil des Gletschereis sehr beeindruckt. An einem Gletschersee fuellten wir unsere Wasserflaschen auf und machten uns auf den Weg zurueck zum Hostel. Endlich Zeit fuer eine ausgedehnte Dusche – die erste seit 36 Stunden. Waehrend das Wetter draussen schlechter wurde, verbrachten wir den Nachmittag lesender- und schlafenderweise. Das Steak im Hostel zum Abendessen lag noch ein wenig schwer im Magen als wir beschlossen, den Fernseher im Hostel der Maedels (Karin aus Holland und Georgi aus Australien), die wir auf der 29stuendigen Busfahrt kennengelernt hatten, zu uebernehmen. “Zum Glueck” kam “How to loose a guy in 10 days”. Aus einem mir unerfindlichen Grund kannte ich den Film schon…
20.01.2010: Fallendes Wasser
Beim Fruehstueck tauschte ich mich mit der Australierin (Name vergessen) aus meinem Raum ueber das “stinky couple” aus, welches mit uns den Raum teilte. Da das Wetter zu diesem Zeitpunkt fuer jegliche Wanderung ungeeignet war blieb ein wenig Zeit zum Lesen. Nach zwei Kapiteln war ich auf dem Sofa eingeschlafen und wachte erst gegen 14.00 Uhr wieder auf. Oh. Inzwischen schien draussen wieder die Sonne und so beschloss ich, alleine eine kleine Wanderung zum nahegelegenen Wasserfall zu unternehmen. Als ich gerade zur Tuer heraustrat stiess ich auf Karin, Georgi und Keith mit dem gleichen Ziel. Zu viert genossen wir die wilde Szenerie rund um den Wasserfall und mussten immerzu an Filmszenen aus “Herr der Ringe” denken. Beim anschliessenden Einkaufen trafen wir auf einen Israeli, den Karin im Dschungel von Brasilien kennengelernt hatte und der sich bei uns zum Abendessen einlud.
Hier ist vielleicht der richtige Zeitpunkt um ein paar Worte zu reisenden Israelis zu verlieren. Egal ob jung oder alt sind sie auf der Piste in Südamerika häufig laut und gehen dem Reisenden ziemlich haeufig auf die Nerven – völlig gegenteilig zu Berichten, die ich über völlig entspannte (und meist surfende) Israelis in Australien gehört habe. Meist sind sie recht jung, maennlich und frisch aus dem dreijaehrigen Militaerdienst entlassen. Nach Hotel Mama und Armee sind sie auf ihrer Reise durch Suedamerika häufig nicht in der Lage Nudelgerichte zuzubereiten.
21.01.2010: Eis, Eis, Baby!
Der Wecker klingelte um 06.00 Uhr was definitiv zu frueh war. Gegen halb sieben kroch ich schliesslich aus dem Bett und eilte zum Fruehstueck, denn schon fuer viertel vor war der Treffpunkt fuer eine Guided Tour zum Cerro Torre vereinbart. Im Licht der Morgensonne genossen wir den Hike Richtung Gletscher. Das Interessante an der Flora und Fauna in diesem Gebiet ist, dass es nur wenige verschiedene Pflanzenarten gibt. Die ein oder zwei Baumarten wachsen maximal 3 bis 4 Meter hoch und jede Pflanze hat einem dem Menschen nuetzliche Funktion. Aus der einen laesst sich beispielsweise duftender Tee zubereiten, die andere haelt suesse schmackhafte Beeren bereit. Auf dem Weg lernte ich Birthe und Patrizia aus Deutschland kennen, die beide Kulturwirtschaft in Passau studieren und derzeit gemeinsam durch Suedamerika reisen.
Der Wind am Gletschersee am Cerro Torre bliess uns fast um und machte die ohnehin schon aufregende Flussueberquerung noch aufregender. Eine Bruecke existierte naemlich nicht, nur ein gespanntes Seil, in welches man sich einklinkte und ueber den reissenden Strom hangelte. Das James Bond Feeling auf der anderen Seite des Flusses wurde nur noch vom anschliessenden Icehiking auf dem Gletscher uebertroffen. Unvorstellbar wie lebendig sich “ewiges Eis” in der Sommersonne anfuehlt. Ueberall funkelt schmelzendes Eis in der Sonne, ueberall hoert man Schmelzwasser durch kleine Kanaele und Tunnel gen Gletschersee plaetschern. Auf dem Rueckweg erzaehlte unser Guide, dass El Chalten erst in den 80er Jahren als Antwort auf vorausgegangene Grenzkonflikte mit Chile gegruendet wurde. Die Vorstellung von Gebietsstreitigkeiten sind fuer einen Mitteleuropaer im 21. Jahrhundert irgendwie schwer nachzuvollziehen. Etwas ausgepowert kamen wir in El Chalten an, sodass ich das wunderbare Stueck Lomo (=Rinderlende) im Restaurant mehr als verdient hatte.
(To be continued.)