Humbled II

(Fortsetzung)

22.01.2010: Poo-Day

Wieder klingelte der Wecker um 06.00 Uhr. Nach dem Fruehstueck (“huevos revueltos”) bestiegen wir gegen 07.00 Uhr den Bus in Richtung El Calafate. Auf der Fahrt bestaunten wir das beeindruckende Bergpanorama, welches wir gerne schon auf der Routa 40 gesehen haetten. Auf der Suche nach unserem Hostel lernten wir El Calafate ein wenig kennen und waren froh, nach den Tagen im Doerfchen El Chalten wieder ein wenig mehr Menschen um uns herum zu haben. Keith ergatterte das letzte noch freie Busticket zum Perito Moreno, so dass Geogri, Karin und ich beschlossen stattdessen am folgenden Tag die Bootstour “Todos Glaciares” zu machen und den freien Nachmittag am “Largo Flamenco” (oder so) zu verbringen. Zuvor verspeisten wir allerdings in einer wundervollen Conditorei einige Alfajores (Biscuit + viel Schokolade + noch mehr “Dulce de Leche”), welche wir auf unserer Reise nach Patagonien kennen und lieben gelernt hatten. Mitten im Baustellengebiet war dann tatsaechlich ein kleiner See mit einigen Flamingos zu sehen.

Waehrend wir am See entlangschlenderten, hoerten wir auf einmal hinter uns eine aufgeregte Frau im Vorruhestandsalter auf Deutsch-Spanisch rufen “Esta pero es a tu?”. Dabei wedelte sie etwas seltsam mit den Armen und zeigte auf einen schmutzigen Hund der gerade einen halbverrottenten (Schafs?)Kadaver beschnupperte. Etwas verwundert erwiderten wir, dass der Strassenhund nicht uns gehoeren wuerde. Das brachte sie vollends in Rage, den sie hatte das exakte Gegenteil verstanden. Inzwischen hatte sie ins Denglische gewechselt und rief “All dogs schould be shottt!”, ein Zaun gebaut werden (“Where are you frrom?… In the Netherlands you have fences and in Australia as well…” ?!) und ausserdem waere sie heute schon bei der Polizei gewesen, weil ein Hund einen Flamingo angefallen haette. Die Gesichter der Polizisten haette ich gerne gesehen.

Weil uns das alles nicht wirklich begeistern konnte, beschlossen wir zum “Playa” quer durch Flamingoland zu gehen. Beim matschigen Untergrund fragten wir uns “Is it mud or poo?”. Wir hofften auf Ersteres und stellten spaeter fest, dass es Letzteres war… Mit matschigen Fuessen verliessen wir den nicht exisitierenden Strand, kauften ein paar Snacks fuer den naechsten Tag und liessen unsere Fotos auf DVD sichern. Dabei folgten die Blicke der anderen Passanten bestaendig unseren Fuessen. Spaeter assen Keith, Karin und ich noch gemeinsam zu Abend (Patagonisches Lamm!! Super lecker! Ausserdem hing im Restaurant Werbung fuer “Koelsch” als Biersorte.. gibts doch gar nicht!) bis uns schliesslich gegen 01.00 Uhr die Augen zufielen.

23.01.2010: Mein Leben ist ein Film

Inzwischen hatte ich mich an den nervigen Laerm um 06.00 Uhr gewoehnt. Im Halbschlaf verabschiedete ich mich von Keith, der seine Reise gen Norden fortsetzte, und fruehstueckte bei den Maedels im Hostel, bevor es mit dem Bus Richtung Hafen ging. Auf der Fahrt sah ich den ersten Eisberg meines Lebens und war schwer beeindruckt. An Bord des luxerioesen Touribootes fiel mir zunaechst die vorzueglichen Toilette auf, welche mit Abstand die Beste auf meiner gesamten Reise durch Argentinien war. Am Gletscher Upsala (vom Weltall aus gesehen, bekommt man eine ungefaehre Vorstellung von den riesigen Ausmassen) angelangt sahen wir ein Meer aus Eisbergen. Durch die Absorption blauen und die Reflektion des restlichen Lichts schimmert das Eis geheimnisvoll blau (wenn ich das auf Spanisch soweit richtig verstanden habe). Die Stille wurde nur vom nervigen Ausloeser-Sound der 150 in die Luft gehaltenen Kameras gestoert, die gemeinsam den “Ausloeser-Song” spielten. Warum Digitalkameras ueberhaupt Laerm machen, ist mir bis heute ein Raetsel. Alle Sounds meiner elektronischen Geraete sind auf das absolute Minimum reduziert oder abgestellt.

200 Fotos spaeter ging es weiter zum Viedma Gletscher. Hier versperrten keine Eisberge die Sicht auf den Gletscher selbst, sodass wir hautnah zahlreiche tosende Eisabbrueche miterleben konnten. Unbeschreiblich ist das Gefuehl vor einer 80 Meter hohen Eiswand zu schippern und dem Eis beim Fallen zuzusehen. Weitere 100 Fotos spaeter ging es zum letzten Gletscher auf unserer Bootstour, dem Perito Moreno. Obwohl der Beruehmteste unter den Gletschern im “Parque Nacional Los Glaciares” war unser Vorrat an Begeisterungsfaehigkeit bereits aufgebraucht.

Wieder zurueck in El Calafate trafen wir in einer Baeckerei (schon wieder 😉 ) die beiden deutschen Maedels, die ich am Cerro Torre kennengelernt hatte. Gleich zwei interessante Menschen waren inzwischen in mein Zimmer im Hostel eingezogen, nachdem Keith am Morgen El Calafate verlassen hatte. Der Eine war ein Fotograf aus Buenos Aires, der gerade vom Cerro Torre mit Autounfall zurueckgekehrt war, der Andere war Japaner auf Weltreise. Mit Letzterem unterhielt ich mich noch etwas laenger, nachdem ich die Reisevorbereitungen (letzte Rasur fuer 6 Tage) fuer den Trip zum Torres del Paine abgeschlossen hatte.

24.01.2010: Dance the North Face Dance!

Nach dem Fruehstueck (2 Stuecke Pizza vom Vorabend) wurde ich von Karin abgeholt. Zu Moby (Why does my heart feel so bad?) und Roger Cicero (Schoen, dass du da bist) genossen wir die Natur auf der Fahrt Richtung Puerto Natales. An der Grenze holten wir uns jeweils einen Argentinischen Ausreise- und einen Chilenischen Einreisestempel und zeigten den chilenischen Grenzern unser Gepaeck. Auf unserem Weg Richtung Hostel stellten wir fest, dass Puerto Natales ein wenig aermer war als die Orte, die wir bisher in Argentninien gesehen hatten. Das Hostel (“Erratic Rock – Tell your friends, don’t tell the guidebooks!”) selbst war zwar ausgebucht, trotzdem wurden wir zur Infosession eingeladen, die gerade ein Raum weiter begonnen hatte. Der charismatische Amerikaner sollte uns mit seinen kompakten Informationen auf unserer anschliessenden fuenftaegigen Treckingtour vor dem sicheren Tot retten. Einige pregnate Saetze schwirrten mir je nach Wetterlage in den folgenden Tagen immer wieder durch den Kopf. Hier ein kleiner Auszug:

If it starts raining, don’t start to dance the North Face Dance. It may stop 5 min later. Or not.

If you get cold – walk faster!

Get used to the idea of wet feet! The following 5 days your feet will be wet 24/7.

Forget Goretex! Use plastic bags, plastic bags, plastic bags!

[…] Stink uniform […]

Mit dieser Vorbereitung besorgten wir Bargeld, Ausruestung (Zelt, Schlafsack, Schlafmatte, Kocher, Kochgeschirr etc.) und Verpflegung (u.a. Porridge, Fertigpasta, Muesliriegel, Cracker und !!Schokolade!!). Besonders hervorzuheben waere an dieser Stelle die grosse Auswahl an getrockneten Fruechten, die es in Puerto Natales gibt. Der Spass kostet zwar ein kleines Vermoegen, versuesst jedoch den allmorgendlich frisch zubereiteten Porridge und somit den Start in den perfekten Tag. Karin zauberte eine wundervolle Bohnen-Stew und die Flasche Malbec war schnell geleert. Waehrend im Wohnzimmer* “The Bourne Identity” lief, versuchte ich irgendwie alle Sachen in meinem Backpack zu verstauen.

25.01.2010: Tag 1

Nach einem fuer suedamerikanische Verhaeltnisse ziemlich reichhaltigen Fruehstueck wurden wir vom Bus abgeholt. Auf einer wunderschoenen Fahrt durch einen Teil des Nationalparks Torres del Paine kamen wir aus dem Staunen kaum heraus. Das Besondere am Park neben den atemberaubenden Bergen – den Torres – ist die reichhaltige Flora und Fauna, die bedingt durch zahlreiche Mikroklimata sich von Meter zu Meter bestaendig aendert. Fast noch besser war die anschliessende Fahrt mit dem Katerman ueber den See mit Kakao fuer lau. Obwohl die Sonne sich immer wieder hinter den Wolken versteckte, leuchteten die dunkelgruenen Huegel mit dem azurblauen See um die Wette. Am ersten Refugio machten wir eine kleine Mittagspause und warfen ein Blick auf den Wetterbericht (fuenf Tage Regen) bevor wir Richtung Gletscher Grey aufbrachen. Unterwegs trafen wir auf eine Familie aus New York (coole Kids, coole Eltern!). Neben Fussball (“We are going to win the world cup!”) begeisterte sich der Vater auch fuer Biersorten aus aller Welt.

Der Trail fuehrte uns mehrmals hoch und runter und nachdem wir zwei reissende Baeche ueberquert hatten (der Regen am gleichen Tag hatte die Baeche um ein Vielfaches anschwellen lassen) erreichten wir schliesslich nassen Fusses einen sehr schoen gelegenen Zeltplatz direkt oberhalb eines Aussichtspunkts auf den Gletscher Grey. Mit uns auf dem Zeltplatz uebernachteten unter anderem Steffi aus Deutschland, die gerade mit einem Chilenen durch Chile reiste, ein britisches Paerchen, Paul, David & “Cadburry” aus London, sowie ein Italiener (gap year, Head of Marketing Prada im Harrod’s in London, auf Weltreise), der mit einer Gruppe Israelis (einer von ihnen: wedding planer) unterwegs war.

26.01.2010: Tag 2

Der Wecker klingelte um 08.00. Um halb 10 verliessen wir das Zelt und zelbrierten das allmorgendlich Morgenritual waehrend unseres Trips: Porridge mit getrockneten Fruechten. Nachdem das Zelt abgebaut war, genossen wir noch ein wenig die Aussicht auf den Grey. Am vormals reissenden Bach, der nun nur ein kleines Rinnsal war, begegneten wir wieder dem Vater der amerikanischen Kids. Da es windiger als am Vortag war, wunderten sich entgegenkommende Hiker ueber meine “Stink Uniform”, bestehend aus einer langen Hose und einem T-Shirt. In dieser “Uniform” sollte ich waehrend des gesamten Trips unterwegs sein – bei Sonne, bei Regen und auch bei Schnee (“… walk faster!”).

Waehrend wir die atemberaubende Aussicht genossen, wechselten die Gespraechsthemen zwischen Allgemeinschauplaetzen und (sehr) Persoenlichem hin und her. Das Campo Italiano war vollkommen uerberfuellt, aber Karins Charme verschaffte uns schliesslich doch noch einen Platz, wo wir unser Zelt aufschlagen konnten. Nachdem die Lachsravioli in Tomatensauce verspeist waren, erzaehlten uns die drei englischen Kumpels bei einer Tasse Tee aus Karins legendaerem “Teabag”, dass sie gerade ihr Jurastudium abgeschlossen hatten und im kommenden Monat anfangen wuerden zu arbeiten.

27.01.2010: Tag 3

Am naechsten Morgen war alle Sachen nass und schmutzig. Na toll. Nach dem Fruehstueck (Porridge!) stieg die Laune aber wieder und so liessen wir unseren Backpack am Zeltplatz und machten uns auf, “Valle del FrancĂ©s” zu erkunden. Auf dem “W”, wie sich unsere Hiking-Route nannte, gehoert dies sicherlich zu den Highlights. Der Aufstieg war sehr regnerisch und nebelig, sodass die alten Baeume noch ein wenig maerchenhafter erschienen. Entlang eines reissenden Flusses – man wundert sich, wo auf dieser Hoehe all das Wasser herkommt – ging es weiter bergauf Richtung Aussichtspunkt. Dort angelangt konnten wir unser Glueck kaum fassen, denn auf einmal wechselte das Wetter auf sonnig. Umgeben von Gletschern (mindestens im Umkreis von 270Âș) genossen wir die atemberaubend schoene aber unbeschreibliche Aussicht. Mit Blick auf die “Posterboys” genossen wir den Abstieg Richtung Campo Italiano umso mehr und machten zahlreiche Fotos von Flora und Fauna, die in diesem Gebiet abermals gewechselt hatte. Inzwischen war uns aufgegangen, dass wir definitiv zu viele Cracker mit uns herumschleppten, sodass wir bei jeder der nun zahlreichen – weil sonnigen – Pausen bergaufkommende Trecker mit Crackern motivierten, weiterzumachen.

Inzwischen wieder mit aufgeschnalltem Backpack gingen wir Richtung Refugio Pehoe und genossen die beeindruckenden Lichtspiele am Strand des Sees. Ein Paerchen nahm ein Bad, was uns bei 10ÂșC Lufttemperatur dann doch ein wenig uebertrieben vorkam. Der Zeltplatz am Refugio begruesste uns mit Regen und war eher bescheiden. Umso besser: eine warme Dusche (sehen wir mal ueber den mickrigen Rinnsal warmen Wassers hinweg)!! Da es heisses Wasser umsonst gab, packten wir unsere asiatische Nudelsuppe mit Shrimpsgeschmack aus (wer kennt sie nicht). Am gleichen Tisch sassen drei Lehrerinnen jeweils aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz. Letztere (Basketball, Schwimmen) amuesierte sich im Gespraech ueber lebensunfaehige Studenten, die sie bei Sportkursen an der ETH Zuerich unterrichtet hatte.

Nach einer Runde Tee aus erwaehntem legendaeren Teabag verliessen wir das warme Refugio Richtung Zelt. Inzwischen war der Regen staerker geworden, wurde jedoch von der stuermischen Nacht bei Weitem in den Schatten gestellt. Saemtliche im Zelt aufgehangene Vorraete (Maeuse!) verteilte sich gleichmaessig im Zelt, waehrend das gesamte Zelt gefaehrlich tief gen Boden gedrueckt wurde.

28.01.2010: Tag 4

Im komplett verwuesteten Vorzelt hatte es meine “Stink Uniform” schwer getroffen, so dass einem beim Anziehen eher schlechte Laune ueberkam. Bevor es losging, gab es allerdings erst einmal Porridge im Refugio. Einige Kilometer spaeter stieg nicht nur die Koerpertemperatur, sondern auch die Laune. Abermals hatten sich Flora und Fauna geaendert und waren nun karger als im “Valle del FrancĂ©s” am Vortag. Hoch ueber den See begeisterte ich mich wieder fuer die Farbspiele des Sees und der Huegel am anderen Ufer, die weiterhin wunderschoen jedoch anders als noch an den Tagen zuvor schimmerten. Nachdem wir die letzte Tafel Schokolade verspeist hatten, trafen wir unter den zahlreichen Tagestouristen, die gen Tal gingen, nun zum dritten Mal … Birthe und Patrizia aus Deutschland (s.o.).

Wir passierten mehrere malerische Bruecken (!) ueber einen steilen Fluss (langsam gehen mir die Adjektive aus…) und erreichten schliesslich den etwas matschigen, aber sehr schoen angelegten Zeltplatz Campo Torres (oder so). Inzwischen war es ziemlich kalt geworden, sodass das Hexenhaus des Parkrangers gut in die Szenerie passte. Nach Pesto Pasta und einer klumpigen Champion Creme Suppe bildeten wir gemeinsam mit den Briten, die wir wie an jedem Abend am Zeltplatz wieder trafen, den “Circle of Warmth”. Wenig spaeter verabschiedete ich mich Richtung Zelt, nicht ohne vorher meine Thermosflasche mit heissem Wasser aufgefuellt zu haben, um so meinen Schlafsack ein wenig anzuwaermen. Karin (“I join you in a minute”) brauchte ein wenig laenger und kam schliesslich um 02.00 Uhr ins Zelt getorkelt (im Haus des Rangers gab es Wein), um mir den Wecker fuer den naechsten Morgen zu stellen. Sie hatte Glueck und konnte in einem der (warmen) Gasetebetten des Rangers ihren Rausch ausschlafen.

29.01.2010: Tag 5

Vollkommen durchgefroren freute ich mich ueber den sonst so nervigen Laerm des Weckers und legte die fuenf Schichten Kleidung ab. Es war 04.00 Uhr und stockfinster. Mit der Taschenlampe im Anschlag versuchte ich mich anzuziehen. Nach einigen Minuten gaben die Batterien den Geist auf. Vor dem Zelt erblickte ich vier umherschweifende Lichtkegel. Hey, ich war nicht der Einzige, der den Sonnenaufgang im Schatten der Torres erleben wollte. Schnell hinterhergestolpert! Die Israelis in der Gruppe wunderten sich ueber den langsam fallenden Regen, bis sie feststellten, dass es schneite. Noch nie zuvor hatten sie Schnee fallen sehen. Etwa 50 Hoehenmeter ueber dem Zeltplatz blieb der Schnee liegen, sodass es immer schwieriger wurde, den Trail zu erkennen. Nachdem wir so 45 Minuten den Berg hochgestolpert waren, erreichten wir schliesslich “el fin del curso”. Wir drehten uns um und tatsaechlich: Waehrend um uns herum weiterhin Dunkelheit herrschte ging langsam am Horizont die Sonne auf. Die Uhr zeigte 05.30 Uhr. In diesem Moment befand sich nur unsere Fuenfergruppe auf dem Gipfel.

Jetzt begann der schoene Teil. Dank Infosession hatte ich zum Gipfel mitgebracht: einen Schlafsack, einen Kocher, Porridge und Wasser. Waehrend wir hofften, dass sich der Nebel an den Torres, den “Posterboys”, verzieht, kochte ich dick in den Schlafsack eingepackt mein Hafersueppchen und erntete dafuer neidvolle Blicke vom Rest der Gruppe. Je heller es wurde, desto mehr Leute gesellten sich zu uns … und froren. Als einer der Letzten ging ich zurueck zum Zeltplatz und fruehstueckte ein weiteres Mal gemeinsam mit Karin bevor wir uns wiederum zum Gipfel aufmachten, da Karin am Morgen nicht dabei gewesen war. Aber auch dieses Mal hatten wir wenig Glueck. Die Posterboys waren weiterhin in Nebel eingehuellt. Trotzdem genossen wir die Aussicht. Den Weg ins Tal bestritten wir mit dem Bewusstsein, dass fuenf aufregende Tage nun zu Ende gingen und sich unsere Wege schon sehr bald trennen wuerden. Am Hotel hiess es aber zunaechst einmal: Raus aus den Schuhen, rein ins Museum (ueber Patagonien). Im kleinen aber feinen Museum vergassen wir ein wenig die Zeit, so dass wir fast den Bus verpassten.

Zurueck in Puerto Natales besorgten wir uns Bustickets fuer den naechsten Morgen nach El Calafate, gaben die ziemlich schmutzige, geliehene Ausruestung zurueck und suchten uns ein neues Hostel. Nach ein wenig Herumgelaufe (und seltsamen Begegnungen mit Chilenischen Omas an Hosteltueren) hatten wir schliesslich eine Bleibe (“Los Inmigrantes”) gefunden. Dieses Mal vermietete eine alte, gehbehinderte Dame ihre Schlafzimmer und uebernachtete selbst im Wohnzimmer. Selten zuvor habe ich eine heisse Dusche so sehr genossen wie an diesem Ort. In einer guten Pizzaria trafen wir uns mit den Briten und zogen anschliessend in eine Bar weiter, um ein paar Pisco Sour zu trinken.

30.01.2010: Time To Say Goodbye!

Zum Fruehstueck gab es auf der Gasheizung getoastete Broetchen, sowie ein (pseudo-) intellektuelles Paerchen. Bevor wir den Bus gen El Calafate bestiegen fuellten wir unsere Wasserflaschen auf, was sich spaeter als Fehler herausstellen sollte. Routiniert passierten wir die beiden Grenzkontrollen und nickten zu Bob Marley ein. Wieder wach wechselte der MP3-Player, so dass ich Gelegenheit hatte, Karin mit deutschem Rap vertraut zu machen (Dendemann – Sensationell). Zu den Klaengen von Bill Withers (Ain’t No Sunshine When She’s Gone, Lean On Me) passierten wir die Stadtgrenze von El Calafate. Im Kino waere jetzt der Moment gewesen Taschentuecher auszupacken. Als kleines Andenken ueberreichte ich Karin eine CD von Bombay Bicycle Club und… weg war sie.

Ich organisierte einen Bus zum Flughafen und war auf der Fahrt noch voll in Gedanken. Nach einer Stunde Fahrt (wir sammelten die Leute einzeln ein) und einer Stunde in der Warteschlange hiess es: alle Fluege heute und morgen ueberbucht. Das gibts doch nicht! Zurueck im Bus nach El Calafate verteilte ich desillusioiniert Cracker und kam so u.a. ins Gespraech mit einem aelteren Hollaender, der sich gerade auf dem Weg zu einem 21taegigem Segeltoern durch die Antarktis befand (wie cool ist das denn?!). Im Reisebuero bekam ich nicht nur den letzten Platz im Flugzeug am naechsten Abend, sondern auch einen Restaurant-Geheimtipp. Im Hostel traf ich auf vier Argentinier aus Buenos Aires mit denen ich spaeter das empfohlene Restaurant austestete. Voellig ueberfressen aber gluecklich ging ich schlafen.

*Es handelt sich hierbei tatsaechlich um das Wohnzimmer, welches dem Besitzer des Hostels zugleich als Schlafzimmer dient.

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"Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde."

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2 comments on “Humbled II
  1. Sehr cool, ich will auch. Vielleicht bin ich bald in Togo..

    Thomas

  2. Sehr cool, ich will auch. Vielleicht bin ich bald in Togo..

    Thomas