Heiss, kalt, heiss, kalt, heiss, heiss, heiss.

Tage der Extreme. Waehrend im Rheinland in der letzten Woche so viel Schnee fiel (und liegen blieb) wie seit Jahrzehnten nicht mehr, sitze ich nach meinem ersten Transatlantikflug in bruellender Hitze. Und geniesse es.

Spannend waren die letzten Stunden, Tage und Wochen mit Sicherheit. Doch wo soll ich anfangen? Da der geplante Abschiedsbeitrag nicht zustande kam, starten wir am Besten mit meinen letzten Tagen in der Schweiz. Denn nach einer sehr (pruefungs-)intensiven letzten Woche in St. Gallen, ging es fuer 3 Tage in die Lenzerheide Skifahren. Dort bewiesen die CEMSies ihr Koennen nicht nur auf der Piste, sondern auch beim Apres-Ski. Perfekte Pistenverhaeltnisse und ein ziemlich wechselhaftes Wetter hielten dann auch so manche Ueberraschung bereit.

Weihnachten feierte meine gesamte Familie bei meiner Schwester und ihrem Mann in Essen. (Die ganze Familie? Nein, ein unbeugsamer juengerer Bruder tanzte aus der Reihe bzw. in Togo.) Die Erwartungen an diese Familienzusammenkunft waren gross und wurden trotzdem uebertroffen. DANKE!

In den Tagen zwischen Weihnachten und meiner Abreise begann ich langsam mein Gepaeck fuer Suedamerika vorzubereiten (Problem: wo bekommt man im Winter FlipFlops, Badehosen und kurze Hosen her? Genau.), Silvester in Koelle in meiner Bude zu feiern, lecker Essen zu gehen (Danke. Danke. Danke.) oder einfach nette Leute zu treffen. Bei traumhaften Schneeverhaeltnissen durfte eine Schlittenfahrt direkt vor der heimischen Haustuer ebenso wenig ausgelassen werden, wie eine Runde Schlittschuhfahren auf dem Bonner Museumsplatz. Sehr cool! Die Nacht vor dem Abflug verbrachte ich wiederum in Essen.

Bloss nicht verschlafen war die Devise und so kam es dann auch, dass ich mir den Wecker gestern eine Stunde zu frueh gestellt hatte (04.30 Uhr statt 05.30 Uhr). Die zusaetzliche Zeit nutzten die zauberhaften Damen der Familie und ich dann auch fuer ein gemuetliches Fruestueck. Der Flughafen Duesseldorf war von Essen aus schnell gefunden, das Gepaeck inklusive eines sehnsuechtigen Blicks der attraktiven Stewardess auf meine “Walker’s” (=Kekse) innerhalb von Sekunden eingecheckt (Deutschland olé!). Waehrend auf dem Flughafen noch grosszuegige Gemuetlichkeit vorherrschte, sah das in der Maschine von Iberia mit der Gemuetlichkeit schon wieder ganz anders aus. Formulieren wir es so: Die Sitze passten wie angegossen. Wie angegossen beobachtete ich dann auch auf der Startbahn, wie unser Flugzeug enteist wurde – wenn man die aktuellen Temperaturen hier in Buenos Aires bedenkt, mutet das ein wenig surreal an. Nachdem ich die engen Sitze bereits erwartet hatte, schaffte es das (komplett maennliche!?! Was zum…) Flugbegleiterteam mich zu ueberraschen. Allerdings nicht gerade positiv. Waehrend des gesamten Start- und Landevorgangs wurden wir mit schrecklichstem Weihnachtsgequaeke aus den Lautsprechern belaestigt. Dies gefiel dem Kleinkind in der Reihe vor mir natuerlich gar nicht, so dass es begann herzzerreissend zu schreien. Ich wollte auch, hab mich aber nicht getraut. Selbst Menschen mit einem unterentwickelten Musikgeschmack wuerden bei dieser Art von mentaler Folter kurz vor dem Nervenzusammenbruch stehen. Oder wuerden einfach anfangen, sinnlos zu morden. Da draengt sich mir natuerlich spontan eine Frage auf: Weiss jemand zufaellig, ob in den Flugzeugen, die Al Qua… ach lassen wir das.

Ein paar Weihnachtslieder spaeter landeten wir sanft in Madrid. Dass dies nicht selbstverstaendlich ist, sollte ich spaeter erfahren. Zunaechst einmal wurde ich aber wieder ueberrascht. Der Flughafen wusste nicht nur durch eine sehr schicke Architektur, sondern auch eine interessante Beschilderung zu beeindrucken. Mit ein wenig blindem Glueck fand ich dann trotzdem mein Gate. Die Augen traute ich kaum wieder aufzumachen, als sich beim Warten vor dem Gate eine argentinische Grandezza neben mich setzte. Wie sich wenig spaeter herausstellen sollte verstand sie kein Wort Englisch und ich kein Wort Spanisch. Verfluchte Sprachlosigkeit! Der Start verlief wie erwartet (Musik, Kindergeschrei). Kaum in der Luft stellte sich heraus, dass mein Sitznachbar nicht nur Israeli mit Vorfahren aus Deutschland ist, sondern in den naechsten Wochen auch aehnliche Ziele wie ich ansteuern moechte. Mal sehen was daraus wird. Neben der Begeisterung fuer Inglorious Bastards (sic!) teilten wir auch einen vergleichbaren Arbeitseifer das Spanisch-Vokabellernen betreffend.

Ein paar Turbulenzen spaeter stand mit einem Mal das gesamte Flugzeug auf dem Gang – und wartete sehnsuechtig darauf auf die Toilette zu gehen. Das war allerdings nur ein kleiner Vorgeschmack. Denn kaum hatten wir den Sonnenuntergang 15.000ft ueber den Wasserfaellen von Iguazu verbracht (Wahnsinn!!), einen kleinen Snack genossen (“Tu viaje de principio a fin en iberia.com” – Hae?!) und die Uhren 6 Stunden zurueckgestellt (oh no!), begann auch schon der Landeanflug auf Buenos Aires. Zu den bereits bekannten Bedingungen (Weihnachtslieder, Kindergeschrei) gesellte sich nun auch ein Gewitter, dass sich gewaschen hatte. Das war besser als jede Achterbahnfahrt (huuuuiii, ohhhh, ahhhhh, *wuerg*). Um uns herum blitzt und schaukelte es heftig (immerhin sind wir im relativ grossen A320 geflogen…), trotzdem genossen wir die Aussicht auf ein praechtig erleuchtetes Buenos Aires. Waehrend uns der suesse Duft von frisch Erbrochenem umwehte, versuchten wir zu erahnen wie riesig diese Stadt ist. Unglaublich.

Unerwartet zuegig hielten wir unser Gepaeck in den Haenden, hatten bereits Geld getauscht und versuchten nun einen guten Taxipreis auszuhandeln. Den erhielten wir auch nur zahlen konnten wir nicht. Denn die druckfrischen 100 Argentinischen Pesos (umgerechnet etwa 20 Euro) konnte kein Mensch wechseln. Was zum … . Ein wenig spaeter hatten wir auch dieses Problem geloest und unsere kleine Israelisch-Deutsche Reisgruppe (3 Israelis und ich) wurde fuer kleines Geld auf die jeweiligen Hostels quer durch Buenos Aires verteilt. Da ich als Letztes abgesetzt wurde und mein relativ cooles Hostel nicht direkt im Zentrum, sondern in Palermo liegt, genoss ich ein wenig die private Stadtrundfahrt (“Qué es esto edificio” – “Eso es el Congreso” – “Ah. Muchas gracias.”). Wenig spaeter begruesste ich noch die anwesenden Brasilianer(-innen) auf meinem Zimmer (“One of us is missing. She’s having fun with some boys.” Heute morgen tauchte sie irgendwann wieder auf.) und haute mich um 01.30 Uhr (Ortszeit!) aufs Ohr.

Nach dem Fruestueck machte ich mich auf, meine Hood zu erkunden. Ziel war eigentlich eine grosse Einkaufsstrasse, um mir eine kurze Hose, sowie ein cooles T-Shirt zuzulegen (beides liegt zu Hause). Irgendwie verlor ich aber schnell die Lust, sodass ich mich im oertlichen Zoo wiederfand. Ziel der Uebung war eigentlich eine ruhige Bank, um mal ein wenig im Reisefuehrer zu blaettern. An Ruhe war allerdings nicht zu denken, denn ueberall: Kinder, Kinder, Kinder. So viele entbloeste Mutterbrueste wie am heutigen Tage habe ich in meinem ganzen Leben nicht gesehen. Unglaublich. Ansonsten war der Zoo ganz nett. Allerdings begeistern mich gefangen gehaltene Tiere in total veralteten Kaefigen nicht wirklich. Dass im ganzen Zoo intensiv fuer Actimel geworben wurde (was zum …), machte die Sache auch nicht besser.

Nachdem ich dann doch ein paar ruhige Minuten auf der Parkbank verbringen konnte, beschloss ich nach einem Blick in den Footprint (mein bereits erwaehnter Reisefuehrer) in einem stylischem Restaurant in Palermo zu lunchen. Die lange Lauferei hatte sich gelohnt, denn das Mittagessen war Spitze. Wie es aussieht werde ich in den naechsten Tagen kulinarisch voll auf meine Kosten kommen, denn der ganze Spass kostet hier recht wenig. Dass Palermo noch viel cooler ist, als ich dachte, zeigte der anschliessende Spaziergang zurueck zum Hostel. Auf dem Weg passierte ich ein Klamottengeschaeft, wie ich es in meinem Leben zuvor nicht gesehen hatte. Unbeschreiblich und deshalb muesst ihr leider erst auf die Bilder warten, denn diese sagen mehr als 1000 Worte. Auf jeden Fall war ich wenig spaeter stolzer Besitzer eines coolen, aber fuer argentinische Verhaeltnisse total ueberteuerten T-Shirts. Sehr coole Bars, Restaurants, Shops, Boutiquen und Werkstaetten wechselten sich auf dem weiteren Weg ab. Das Hostel liegt perfekt!

"Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde."

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2 comments on “Heiss, kalt, heiss, kalt, heiss, heiss, heiss.
  1. Julian says:

    Hast Du vor dein Blog jemals in ein Buch zu verwandeln? 😉

  2. Name says:

    Hi lieber Bruder,
    sehr cooler Bericht! Kalt, kühl, lauwarm und vor allem sehr schön wars bei mir.

    Wann gehts zum Tango? Ich hoffe die Musik ist eine perfekte Einstimmung, unbedingt Argentino Paso (Liedtitel) zur Einstimmung hören…

    Dein kleiner Bruder

2 Pings/Trackbacks for "Heiss, kalt, heiss, kalt, heiss, heiss, heiss."
  1. […] und genoss im Landeanflug das funkelnde Buenos Aires, welches uns weniger stuermisch als noch beim ersten Mal empfing. Die Uhr zeigte 00.05 Uhr als am Gepaeckband mehrere aeltere Paerchen mit ihren zu grossen […]

  2. […] heraus, dass dies den Funfaktor bei der Rueckfahrt um einiges erhoehen sollte (wir erinnern uns: huuuuiii, ohhhh, ahhhhh, *wuerg*). Auch hiervon gibt es selbstverstaendlich ein […]