Non Emotionally Responding Dude = Nerd?

Eins ist sicher – sogar sicherer als die Rente: Der Nerds kommen! Digital Natives, Digital Immigrants
Jetzt, hier, sofort! Mag nicht so spektakulär klingen, ist es aber. Denn selten zuvor haben “Computer-Heinis” soviel Respekt genossen, wie in den zurückliegenden Monaten. Kaum ein Umbruch in der letzten Zeit wäre ohne die smarten Jungs denkbar gewesen. Der Umgang mit Wissen (Wikipedia), Unterhaltung (i-Tunes, last.fm, youtube u.v.m.), Information (unzählige Blogs –> technorati) und Wirtschaft im Allgemeinen (“web2.0“) hat sich grundlegend gewandelt und weite Bevölkerungsschichten zu aufgeklärten Konsumenten gemacht – dem Wissensvorsprung sei dank.

SpOn geht dem Aufstieg des Nerdtums in einem interessanten Artikel genauer nach und zeichnet ein insgesamt positives Bild vom allgegenwärtigen “Nerd” – Nur was ist ein Nerd, wirklich? Wie erkenne ich ihn? Bin ich am Ende selbst einer (nur weil ich blogge)?

Ein erster Ansatz
Schmeißt man die Suchmaschine an, so wird man als erstes auf einen Eintrag in der Wikipedia verwiesen:

Nerd [nɜːd] (engl. für Fachidiot, Langweiler, Sonderling, Streber, Schwachkopf, Außenseiter) steht meist abwertend für besonders in Computer oder andere Bereiche aus Wissenschaft und Technik vertiefte Individuen. Manchmal wird auch ein überdurchschnittlicher Intelligenzquotient (IQ) als begleitende Eigenschaft genannt.

Nun ist mit großer Wahrscheinlichkeit der Artikel selbst von Nerds geschrieben (wie steht es eigentlich wirklich um die “wisdom of crowds” bestellt?!), interessant ist trotzdem der nächste Absatz:

Das Umfeld

Ob jemand ein Nerd ist, hängt in erster Linie von der Einschätzung des Umfelds ab. Zwei Wertungsvarianten lassen sich feststellen:

* Außenstehende meinen „Nerd“ tendenziell abwertend
* Gleichgesinnte umgekehrt als Auszeichnung (so wie man sich selbst auch positiv „Nerd“ nennt – ähnlich wie in anderen Minderheiten oder stark nach außen abgeschotteten Gruppen (vgl. Freak). Nerds legen u. U. keinen Wert auf die Meinung von Nicht-Nerds).

Halten wir fest: Ich bin ein Nerd, wenn mein Umfeld das sagt. Nun ja, mit dieser Formulierung kann ich mich nicht anfreunden! Wenn mir mein Umfeld sagt ich wäre eine Fee, ist noch nicht bewiesen, dass ich eine Fee bin.

Schlimm ist auch, dass bei der Wortwahl direkt eine Wertung mit einfließt: Der Nerd kann etwas besser als seine Mitmenschen (mit Computern umgehen), von dem sie keine Ahnung haben (“Hier isnen Knöpf: ön-öff… Soll ich damal draufdrügen?”) und aus diesem Grund ist das Ganze erstmal schlecht (“Kenne mer nit, bruche mer net, fott domet“).

Digital Natives vs. Digital Immigrants
Vielleicht bringt uns der Ansatz der “digital natives” weiter: Nerds sind die Eingeborenen der digitalen Welt. Dem gegenüber stehen die “digital immigrants“:

Sie versuchen aufwendig, mit der neuen Technik Schritt zu halten, noch einen Fuß in die Tür zu bekommen. Aber egal, wie sehr sie sich anstrengen, sie bleiben immer Fremde, “reden mit einem Akzent”, so Prensky: Sie drucken sich E-Mails aus, lesen Anleitungen für Computerprogramme und rufen die Kollegen ins Büro, um ihnen eine Website zu zeigen, anstatt ihnen einfach einen Link per Instant Messenger zu schicken.

Somit wären alle Intensiv-Nutzer eines Instant Messengers Nerds 🙂

Wie man es auch dreht und wendet: Ein Nerd ist ein Nerd ist ein Nerd… Ich bin mal gespannt, wie sich die Diskussion in der nächsten Zeit entwickelt, ob Nerds zu gesellschaftlicher Anerkennung finden, ob auch die Mitte der Gesellschaft im Informationszeitalter ankommt oder ob alles so bleibt wie es ist. Aber selbst der Kölsche Jung an der Eckkneipe weiß:

Nix bliev wie et wor.

"Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde."

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One comment on “Non Emotionally Responding Dude = Nerd?
  1. Fischer says:

    Schöner Artikel.

    Du triffst genau den Punkt: Es geht um einen Wissensvorsprung. Und der wird von denen, die ihn eben nicht haben, mit einer negativen Interpretation belegt.

    Das ist letztendlich der Kern der Nerd-oder-nicht-oder-doch-Geschichte.

    Im Grunde ist es eine Neiddebatte, das sollte mal so hart gesagt werden.