Stolpersteine rocken

Spreeblick gibt einen interessanten Kommentar zum Thema Stolpersteine.

Ich kann sie nicht ignorieren, will es auch gar nicht, sie tauchen meine innere Umgebung jedes einzelne Mal für Bruchteile von Sekunden in ein filmisches Schwarzweiß und stellen mir Fragen – nein, das ist falsch, sie stellen mir keine Fragen, die stelle ich mir selbst. Keine weinerlichen oder pseudo-betroffenen, sondern spannende, herausfordernde Fragen, die den Kopf füttern und die ihren Zweck damit viel mehr und viel leichter erfüllen als viele andere Versuche, den Glücklichen an die Unglücklichen zu erinnern.

Das kann ich so direkt unterschreiben. Ich bin begeistert von der Idee, dass einem durch die Stolpersteine die Vergangenheit ins Gedächtnis gerufen wird – ohne aufdringlich zu sein fordern sie den Vorübergehenden zu einem regen Gedankenaustausch mit dem eigenen Ich auf.
Stolpersteine München
Gerade in Großstädten wie München war die Aktion allerdings sehr sehr umstritten. Dem Satz “die Monarchen würden in den Denkmälern aufs Pferd gehoben, ein jüdischer Demokrat aber so erniedrigt, dass jeder das Gedenken mit Füßen treten kann” kann ich nicht zustimmen, denn im Boden eingelassene Gedenksteine sind seit Jahrhunderten eine durchaus gebräuchliche Art des Erinnerns in Mitteleuropa – wer mal in der Westminster Abbey war, weiß wovon ich spreche! Allerdings hat sich in diesem Punkt besonders die jüdische Gemeinde nicht mit dem Gedanken der Stolpersteine anfreunden können – Schade!

"Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde."

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3 comments on “Stolpersteine rocken
  1. Thomas Müller says:

    In Paris gab es so etwas auch mal. Aber da man das dann in Illuminati gezeigt hat (afair als “Roseline”) haben Touristen die Teile haufenweise geklaut (irgenwie rausgehebelt). Die Aktion ging also etwas daneben 😛

  2. tino says:

    in hollywood liegen die stars auch in form von platten auf dem gehweg. soweit ich weiß hat sich da noch keiner beschwert unter den glücklichen zu sein…

  3. Adam says:

    Ich liebe die Idee, weil man wirklich über die Geschichte genau dieses Ortes “stolpert” und merkt, wie man einfach daran vorbeigelaufen wäre. In Berlin hatte ich ein paar Stolpersteine in der Nachbarschaft und auch hier in Köln war ich begeistert, als ich welche entdeckt habe.