So eine Art Virus scheint sich das StudiVZ da eingefangen zu haben. Auch ich musste erst einige Zeit in Recherche investieren, um einen möglichst guten Überblick über die Hintergründe des derzeitigen “Skandals” zu bekommen.

Keine Rechtfertigung, aber Kritik am Stil
Zweifelsohne hat Ehssan in der Vergangenheit viel Müll gebaut und riskiert durch seine sehr späte Entschuldigung insgesamt sein Projekt und seinen Kopf. Auch möchte ich überhaupt gar nichts relativieren, aber die Art und Weise mit der momentan “Aufklärung” betrieben wird, lässt doch noch einigen Raum zum Grübeln! Schließlich ist das StudiVZ ein hervorragendes Werkzeug um Kontakte zu knüpfen und Kontakt zu halten – ganz egal was “die Spitze” für Videos dreht.

Henker 2.0 im Porträt
Der große Enthüller, der u.a. Empfänger der peinlichen Partyeinladung war, investiert anscheinend schon seit längerem viel Zeit, um Deutschlands Vorzeige-Web2.0-Unternehmen zu Fall zu bringen. Interessant ist, wie penibel er Daten und Fakten zusammengetragen hat und nun zum Zeitpunkt eines bevorstehenden Verkaufs mit diesem Material an die Öffentlichkeit tritt. Immerhin wurde die vieldiskutierte Geburtstagseinladung schon im Juli diesen Jahres verschickt? Seltsam? Es kommt noch besser:

Sich selbst tituliert Don Alphonso – wie er sich im Internet nennt – gerne als Henker 2.0 (als Anspielung auf den derzeit sehr gehypte und überstrapazierten web2.0-Begriff) und gibt dabei den Superhelden, der angetreten ist, um die Welt von allem Übel und sonstigen Young Professionals zu befreien.

Die eigene Vergangenheit bleibt im Dunkeln
Mit seiner eigenen Persönlichkeit und vor allem seiner Vergangenheit bewegt er sich im dicken Nebel (ich habe sein Buch nicht gelesen, vermute aber, dass er auch dort seine Identität nicht abschließend klärt). So schreibt er in einigen Kommentaren auf seinem eigenen Blog, dass er selbst aktiv die Dotcom-Ära in führender Position miterlebt hat und “in diesen Kreisen verkehrte” (sorry – sein Blog lässt leider keine Kommentarsuche zu, deshalb kein Beleg). Was er da genau gemacht hat, lässt sich nicht wirklich leicht herausfinden.

Fazit: seltsame Beweggründe, seltsame Verfahrensweisen
Mein Eindruck: Die DotCom-Ära hat hier ihre Spuren hinterlassen und nun besteht Neid auf den Erfolg anderer. Da diese sich in ihrer Position extremst ungeschickt verhalten haben, wird diese Schwäche ausgenutzt und unter dem Deckmantel des investigativen Journalismus wird eine persönliche Neiddebatte losgetreten, deren Hintergründe mir allerdings schleierhaft bleiben (Was möchte er erreichen? Verkauft wird das Ding so oder so. Sein einziger Erfolg: der Kaufpreis wird gedrückt – der Held!).

Das StudiVZ insgesamt erleidet Schiffbruch
Allein wegen der Polemik und der aufgeladenen Stimmung, die der mysteriöse Don Alphonso geschaffen hat, sollte er sich und seiner Umgebung den Gefallen tun und jedenfalls seinen Namen ändern – wie wär’s mit Don Quichotte?

Achja, Ruhe sollte er auch geben, sich um seine Frau kümmern, nen Baum pflanzen und ein Haus bauen – irgendwie produktiv sein. Nur mit seinen Weltverschwörungstheorien sollte er anderen Leuten nicht auf den Geist gehen.

Der Datenschutz bleibt natürlich ein Problem – aber darum scheint es Don Alphonso inzwischen gar nicht mehr zu gehen.

Mein letzter Beitrag zu diesem Thema.

Danke.